Tschernobyl 1986 – Erinnerungen des Liquidators Wladimir Sednjow
Vortrag mit anschließender Diskussion
Am 26. April 1986 erschütterte die Reaktorkatastrophe von Kernkraftwerk Tschernobyl die Welt. Vierzig Jahre später berichtet Wladimir Sednjow, einer der sogenannten „Liquidatoren“, aus erster Hand über seine Einsätze am zerstörten Reaktor.
Sednjow, geboren 1957 in Belarus, war Diplomingenieur für Wärmekrafttechnik und arbeitete 1986 als Schichtleiter. Im September desselben Jahres wurde er nach Tschernobyl abkommandiert. Dort war er in unmittelbarer Nähe des zerstörten Reaktorblocks eingesetzt – zuständig für die Wärmeversorgung und unterirdische Rohrleitungen. Zwei Monate lang arbeitete er im Schichtsystem unter extremen Bedingungen, mit Dosimeter am Körper und Schutzkleidung im Dauereinsatz.
In seinem Vortrag schildert er eindrücklich den Alltag im Sperrgebiet: die Busfahrten zwischen „sauberer“ und „kontaminierter“ Zone, die provisorischen Unterkünfte, die Arbeit am Sarkophag über dem vierten Block, die allgegenwärtigen Messgeräte – und die Momente der Angst, wenn schwarzer Rauch aus dem Reaktor aufstieg. Er berichtet von Kameradschaft, Improvisation und von den langfristigen gesundheitlichen Folgen seiner Arbeit.
Der Abend bietet nicht nur ein historisches Zeitzeugnis, sondern lädt auch zur Diskussion ein:
Was bedeutet Tschernobyl heute? Wie prägt die Katastrophe unseren Blick auf Energiepolitik, Verantwortung und Erinnerungskultur?
Ein bewegender und persönlicher Bericht über Mut, Pflichtgefühl und die bleibenden Spuren einer der größten Technikkatastrophen des 20. Jahrhunderts.
Im Anschluss: Gespräch und Diskussion mit dem Referenten.