Vom Flüchtlingskind zum Friedensforscher. Vortrag und autobiografischer Rückblick des Friedenswissenschaftlers und Offiziers d.R. Prof. Dr. Wolfgang Vogt.
Moderation: Dr. Jens Rönnau. Eintritt frei - Spenden erbeten.
Im Rahmen seiner Ausstellung „Krieg & Frieden“ spricht Professor Dr. Wolfgang R. Vogt am 1. April um 19 Uhr im Flandernbunker über ein hochaktuelles Thema: die Ursachen von Gewalt in unserer Gesellschaft – und Wege zu ihrer Vermeidung. Im Zentrum seines Vortrags steht eine klare These: Nicht Konflikte an sich sind das Problem, sondern ihre Eskalation. Konflikte seien unvermeidlich und sogar notwendig für eine lebendige, pluralistische Gesellschaft. Gewalt entstehe jedoch dann, wenn Konflikte ihre konstruktive Form verlieren.
Die zugrunde liegende Analyse zeichnet ein differenziertes Bild: Deutschland zählt weiterhin zu den sichersten Ländern weltweit, gleichzeitig wächst in der Bevölkerung das Gefühl von Unsicherheit. Diese Diskrepanz erklärt Vogt unter anderem durch mediale Dynamiken, gesellschaftliche Polarisierung und die zunehmende Sichtbarkeit von Gewalt – insbesondere in digitalen Räumen.
Ein zentraler Punkt des Vortrags ist die erweiterte Definition von Gewalt: Sie umfasst nicht nur körperliche Übergriffe, sondern auch psychische, verbale, strukturelle und kulturelle Formen. Sichtbare Gewalt sei oft nur die Spitze eines komplexen Gefüges. Besonders kritisch bewertet Vogt das Defizit an gesellschaftlicher Konfliktkompetenz. Fähigkeiten wie Empathie, Selbstkontrolle und konstruktive Kommunikation würden bislang nicht ausreichend vermittelt – weder im Bildungssystem noch im sozialen Alltag. Genau hier sieht er den Schlüssel für wirksame Prävention. Sein Fazit: Eine Gesellschaft wird nicht daran gemessen, wie wenige Konflikte sie hat, sondern wie sie mit ihnen umgeht. Statt reiner Repression fordert Vogt eine stärkere Förderung von Konfliktfähigkeit – als Grundlage für ein friedliches Zusammenleben.
Doch der Friedenswissenschaftler hat auch eine persönliche Grundlage seines Handelns. Als Kind hat der 1940 in Altruppin/Brandenburg geborene Wolfgang Rainer Vogt Krieg und Flucht erlebt. Nach seinem Wehrdienst in der noch jungen Bundeswehr studierte er bis 1967 Sozialwissenschaften und wurde dann in Hamburg Dozent an der Heeresoffizierschule II sowie Lehrbeauftragter an der Universität und am Institut für Lehrerfortbildung. 1971 bis 2005 war Vogt Dozent für Soziologie und zuletzt Leitender Wissenschaftlicher Direktor an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Seine aktuelle Ausstellung ist noch bis zum Ostermontag, 6. April im Flandernbunker zu sehen.