Prima Kunst Container: Farhang Rafiee - Necroveillance II

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Stadtgalerie Kiel, Andreas-Gayk-Straße 31, 24103 Kiel

Ausstellung Kultur

Die Videospiel-Installation von Farhang Rafiee (*1997, Sabzevar, Iran) platziert Spielende in eine abstrahierte Karte Teherans. Die grafische Oberfläche zitiert die Ästhetik von Forensic Architecture, die zerstörte Architekturen zur Aufklärung von Drohnenschlägen digital rekonstruiert. Im Spiel kündigt ein lautloses, flackerndes Licht die sich nähernden Waffen an, welche die Spielenden meiden müssen. Nach einem virtuellen Treffer bricht die Simulation abrupt ab, woraufhin eine Bonmaschine einen Beleg ausdruckt, der Todeszeitpunkt, -ort und ursache festhält. Wo der Bildschirm das Individuum auf nackte Koordinaten reduziert, holt der analoge Bon das Ereignis in den physischen Raum zurück. An der Wand sammelt sich dieses Papier zu einer beunruhigenden Datenbank.

Das Wissen um die Lebensgefahr verändert das Verhalten der Spielenden im virtuellen Raum grundlegend. Rafiee beschreibt diese Schnittstelle von nekropolitischer Macht (Necropower nach Achille Mbembe) und digitaler Überwachung (Surveillance) als „Necroveillance“. Das Unvermögen der Maschine, mitfühlend auf das Sterben zu reagieren, offenbart eine weitere Dimension von „Necroveillance“. Die Wortschöpfung wurzelt im französischen veiller (Totenwache halten), doch hier tritt der teilnahmslose Apparat an die Stelle des intimen Moments. Als Stellvertreter für die Trauer bezeugt der nüchterne Bon das nackte Sterben dort, wo mitfühlender Beistand fehlt.

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Kiel-Marketing e. V. / GmbH
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