Liska-Malin Jensen führt durch die aktuelle Ausstellung.
Von der Kapitulation Nazi-Deutschlands bis zu seinem Unfalltod 1984 hielt Harald Duwe mit figurativer Malerei knapp 40 Jahre lang der bundesrepublikanischen Wirklichkeit einen kritischen Zerrspiegel vor. Dabei nahm er als realistischer Maler seinerzeit in der BRD die Rolle eines Außenseiters ein und wurde nur zögerlich und vereinzelt überregional wahrgenommen. Gleichzeitig ermöglicht Duwe seine gegenständliche Ausdrucksweise die für ihn wesentlichen gesellschaftlichen Probleme und Widersprüche anschaulich und bis heute unmissverständlich zu formulieren.
Harald Duwe wohnte seit 1951 in Großensee, war von 1975 bis zu seinem Tod Dozent für Freie Kunst/Malerei an der Kieler Fachhochschule für Gestaltung und erhielt 1981 den Kulturpreis der Landeshauptstadt Kiel. Die Verbindung des Künstlers mit Schleswig-Holstein und der Bezug zu Kiel sind nicht nur biografisch, Duwe macht sie insbesondere in den 1970er und 1980er Jahren auch explizit zum Bildgegenstand. 2026 wäre der Maler und Grafiker 100 Jahre alt geworden, die letzte Ausstellung in Kiel, die sich seinem Werk widmete, liegt fast genau 40 Jahre zurück - ein Bündel an Gründen, die Erinnerung an das Werk Harald Duwes wachzurufen und dem Publikum der Stadtgalerie Kiel eine herausragende Position der jüngeren schleswig-holsteinischen und Kieler Kunstgeschichte vorzustellen.
Die Ausstellung verfolgt das Ziel, Inhalte, Bildsprache, Darstellungsform und -technik Harald Duwes durch den Vergleich mit Werken aus der Sammlung der Stadtgalerie Kiel im kunsthistorischen Kontext klar zu konturieren. Die Beiträge der drei Gäste Oska Gutheil, Sven Johne und SUSI POP, allesamt zeitaktuelle Positionen junger Kunst, bieten einen Ausgangspunkt, um von Duwes Perspektive auf Phänomene seiner Zeit, auch an gegenwärtige politische und gesellschaftliche Diskurse anzuknüpfen, rücken aber vor allem künstlerische Strategien und Verfahren in den Fokus.
Begleitend zur Ausstellung wird eine Broschüre erstellt.
Inhaltlich wird die Ausstellung unterstützt durch Leihgaben von Werken Harald Duwes aus der Sammlung der Kunsthalle zu Kiel, des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums, des Thor-Heyerdahl Gymnasiums der Landeshauptstadt Kiel und aus dem Privatbesitz der Erben Harald Duwes.
Die Ausstellung wird unterstützt durch das Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein.
Künstler*innen:
Ilse Ament, Joerne Diedrichsen, Harald Duwe, Heinrich Ehmsen, Richard Grune, Oska Gutheil, Sven Johne, Peter Nagel, SUSI POP, Erasmus Schröter, Joachim Thode
Abb.: Harald Duwe, Kriegsdenkmal U-Boot in Laboe, 1984, Öl auf Hartfaser, Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum