Live-Zuspiel zum Film von Gor Margayan mit Ilia Viazov, Sven Lütgen und Leonid Kharlamov (ca. 45 Min)
und Leonid Kharlamov (ca. 45 Min)
Im Rahmen des Frequenz_ Festivals improvisieren erstmals Leonid Kharlamov, Sven Lütgen und Ilia Viazov zu Material des Filmemachers Gor Margaryan, das dieser für das Projekt zusammengestellt hat. Margaryans Arbeit ist geprägt von der Verschmelzung von Kunst und Forschung; er präsentiert in diesem Projekt bestehende Filme und Videoinstallatio-nen bewusst ohne Ton, wodurch ein offener Raum für neue klangliche Perspektiven entsteht. Musikalisch treffen Gitarre, Melodica oder Stimme auf ”Wildschwein” und andere Elektronik sowie Soundscape-Collagen; unverstellte, raue Gesten auf feingesponnene Klangtexturen.
Resultat ist ein unmittelbarer, offener Sound, der sich Konventionen entzieht, die Energie des Augenblicks nutzbar macht und im Zusammenspiel mit dem Bildmaterial von Gor Margaryan zu einer kollaborativen Performance wird, in der improvisierte Musik und filmische Komposition situativ in Beziehung treten.
Gor Margayan
Gor Margaryan ist Filmemacher und Medienkünstler und promoviert an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. In seiner künstlerisch-wissenschaftlichen Praxis untersucht er die ästhetischen, ethischen und politischen Dimensionen medialer Kriegsdarstellungen, insbesondere im Kontext immersiver Technologien wie Virtual Reality. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Essayfilm, Installation und experimentellen audiovisuellen Formaten und hinterfragen die Be-dingungen, unter denen Bilder von Krieg entstehen, zirkulieren und wahrgenommen werden. Im Zentrum seiner Arbeit steht das Interesse an der Wahrnehmung des Unsichtbaren: an den emotionalen, psychischen und medialen Nachwir-kungen von Gewalt, die sich jenseits expliziter Bilder manifestieren. Margaryan versteht Virtual Reality nicht als Spek-takel, sondern als reflexiven Raum, in dem Nähe, Distanz und Verantwortung neu verhandelt werden. Dabei bezieht er auch die Rolle künstlicher Intelligenz als ästhetisches und epistemisches Werkzeug in seine künstlerische Forschung ein. Seine Arbeiten entstehen häufig in interdisziplinären Kontexten. Der Essayfilm Hydrographie (2017) wurde in Zu-sammenarbeit mit dem GEOMAR Helmholtz- Zentrum für Ozeanforschung Kiel realisiert und verbindet wissenschaftli-che Daten mit filmischer Poesie. Der Film Phantomflug (2022), der sich mit der medialen Abstraktion moderner Kriegs-führung auseinandersetzt, wurde von der Deutsche Film- und Medienbewertung mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet. Margaryans künstlerische Praxis begreift das Bild als Denkraum – als Ort, an dem Erinnerung, Techno-logie und Verantwortung aufeinandertreffen und sich die Frage stellt, wie Krieg gezeigt werden kann, ohne ihn zu repro-duzieren.
Link Programm online: www.frequenz-kiel.de/festival#programm