Port Noo & SEASOUL: Indie‑Pop zwischen Comeback, DIY‑Spirit und rau-poetischen Songs
Port Noo
Im Herbst 2024 war die Sehnsucht für Hannah Permanetter endgültig zu groß. Die Sehnsucht, endlich wieder Musik zu machen, nachdem sie die letzten sieben Jahre für ihre Kinder da gewesen war und in Berlin ein Kultur-Café aufgebaut hatte. Wenn man bereits mit 13 Jahren eine erste All-Girl-Alternative-Pop Band, Angel's Delight, gegründet hatte (da-mals noch in München) und seitdem als Musikerin aktiv war, ist es nicht so einfach, die Ur-Leidenschaft zu ignorieren. Unter anderem mit der Indiefolk-Pop Band „Dear Henry Bliss“ hatte sie es sogar zu Konzerten in New York City ge-bracht, wurde dann 2014 mit ihrem Neuanfang als Solokünstlerin, das bedeutet nämlich Port Noo, von der Süddeut-schen als „eine der besten Singer-Songwriterinnen, die München hervorbrachte“ bezeichnet. Es war Zeit, den Faden wieder aufzunehmen, DIY zu buchstabieren, sich ein Homerecording-Studio einzurichten, sich in so Dinge wie Websei-tengestaltung einzufuchsen und neue Songs zu schreiben, zu produzieren. Die ersten sechs erscheinen im Sommer als EP Standing On The Moon.
Port Noo ist jedoch nicht nur ein sinnbildlicher neuer Hafen, sondern auch ein Ort, an dem Hannah Permanetter ihrem höllischen Spaß am Mixen von Einflüssen unterschiedlichster Genres und Ären frönen kann. So spielt sie in einem Mo-ment die Akustikgitarre wie Joni Mitchell, im nächsten die E-Gitarre wie Kim Deal, setzt die Backing Vocals wie Aretha Franklin oder die Beach Boys und vergreift sich an einem Synth-Bass wie ihre Held*Innen der späten Neunziger Jahre Portishead, Gomez und Beck. All das, gemischt mit Permanetters melancholischer Stimme, dem Faible für Pop-Melodien und den selbst- und zeitkritischen Texten, schmiegt sich einem erst wärmend und nachdenklich an die Schul-ter, um einem im nächsten Moment ein überraschtes Lächeln auf die Lippen zu kitzeln.
Bei genauerer Betrachtung ist Port Noo jedoch nicht per se ein Soloprojekt. Schon auf dem ersten Album In The Middle Of Everything aus dem Jahre 2017 zeigte sich Permanetters Talent gute Leute für ihre Musik zu finden. Auf dem von Paul Pilot produzierten Album hört man so namhafte Musiker wie Tom Osander (Damien Rice), Brian Crosby (BellX1), Ben Castle (Duke Special, Jamie Cullum, Radiohead) oder Francesco Wilking (Die Höchste Eisenbahn). Und auch für die neuen Lieder zeigte sie auf der Suche nach gleichgesinnten Mitstreiterinnen ein gutes Händchen. Die Schauspielerinnen Rebecca Motzel und Paula Leitner stiegen als Background-Sängerinnen ein, die ehemaligeLemonbabies Bassistin Barba-ra Mayer beendete hier nach 20 Jahren ihren Musikerinnen-Dornröschenschlaf und auch die neu nach Berlin gezogene Schlagzeug-Influencerin Martina Barakoska konnte der feinen Melancholie der Port Noo Songs nicht widerstehen.
portnoo.bandcamp.com/track/all-the-ties
Seasoul
Singer-Songwriterin SEASOULs Sound klingt nach einem stürmischen Morgen an einer rauen Küste. Ihr roher und radikaler Approach von Softness gilt stets als Einladung zur Projektion, ihre facettenreiche Stimme ist mal warm, schmeichelnd und sanft und mal präzise und klar. Ihre träumerischen Indie-Pop-Songs erzählen ungeschönt ehrlich von Verlust von Weggefährt*innen, mentaler Gesundheit, Alltagsmagie, eigenen Abgründen und einer niemals enden wol-lenden Lust am Leben.
Zu SEASOULs künstlerischen Einflüssen zählen Poetin Patti Smith, Sängerin Florence Welch, Musikerinnen SOKO und Aurora, ebenso wie Filmemacher David Lynch und Autorinnen wie Elif Shafak oder Robin Wall Kimmerer. SEASOUL wuchs in der schwäbischen Provinz in einem hippy-esquen Haushalt einer Pflegefamilie auf. Musik spielte von klein auf die größte Rolle und wurde zum Refugium, als das Familienkonstrukt zerbrach und sich die angehende Künstlerin wäh-rend des letzten Schuljahrs allein durchschlug. Nach einem Reisejahr durch Neuseeland landete SEASOUL in Berlin, wo sie von 2016 bis 2020 Musikproduktion (B.A.) studierte. In dieser Zeit entstanden Kollaborationen mit diversen Kol-leg*innen, eine davon mit Electronica-Produzent Yannek Maunz. Ihr gemeinsamer Song „Goldfish“ erreichte Anfang 2025 eine
Million Spotify-Plays. 2023 releaste SEASOUL ihr erstes Album in Eigenregie und ohne Funding; das ganze Umfeld wurde eingespannt und so wurden DIFFUS, die taz und kulturnews Medienpartner der schließlich ausverkauften Releaseshow im Maschinenhaus der Kulturbrauerei. Ein Trailer fürs Konzert wurde in allen Yorck-Kinos gezeigt und das Album brach-te der Singer-Songwriterin Einladungen von radioeins (Lokalmatadorin, Interview mit Marion Brasch, Live-Konzert aus dem radioeins-Studio), vom Deutschlandfunk Kultur (Interview und Livesongs) und von Alex Berlin (Interview) ein, sowie mediale Aufmerksamkeit von diversen Indie-Blogs und Podcasts.
2024 zog es die Musikerin auf größere Bühnen; durch ihr musikalisches Mitwirken an KAFVKA’s Album „Kaputt“ (MTV-Album-Charts Platz 22) an den Vocals und Keys war sie als Bühnengast an diversen Shows der Band beteiligt, unter anderem im ausverkauften Gruenspan in Hamburg. Seit 2024 spielt die Solo-Künstlerin jährlich eine selbstgebuchte Deutschlandtour, vor allem die Nordsee-Inseln Amrum, Föhr und Sylt sind musikalische Lieblingsziele. 2024 spielte die Künstlerin ein Konzert am Brandenburger Tor bei einer Aktion von Sea-Watch. 2025 arbeitete SEASOUL mit dem kana-dischen Musiker und Produzenten Aaron Green an neuen Songs. Die Kollaboration entstand durch ein Zusammentreffen beim Popkultur-Festival 2024 und erfolgt über Videocalls und gemeinsame Online-Sessions. Der Musiker hat gerade mit seinem Bandprojekt PILLOW FITE den Preis für „Pop Recording of the Year“ gewonnen und war in den letzten Monaten mit zwei Songs in den CBC Top 100.
SEASOULs neue EP GIRLMOSS erscheint im August 2026 beim Label Duchess BoxRecords. Am 20.08. ist Release-Show im SCHOKOLADEN Berlin in voller Band-Besetzung. Eine Solo-Sommer-Tour mit Terminen in u.a. Hamburg, Kiel oder auf der Insel Rügen wird stattfinden.
seasoul.bandcamp.com