Vortrag von Dr. Ana Šverko (Split)
Lorbeerkränze, drapierte Mäntel und prominente, antikisierende Säulen. Antikenbezüge sorgten über Jahrhunderte für Legitimation im Herrscher*innenporträt. Dieses inhärent konservative ikonographische System erfuhr im 18. Jahrhundert eine erhebliche Dynamisierung. Archäologische Funde erweiterten und differenzierten damals das System einsetzbarer Zeichen. Ab 1789 bedienten sich revolutionäre und postrevolutionäre französische Regierungen auf der Suche nach einer neuen politischen Bildsprache intensiv an antiken Formen und prägten damit die höfisch-klassizistische Inszenierung in ganz Europa. Dabei waren es insbesondere die Frauen – Kaiserinnen, Königinnen, Zarinnen – die sich in Göttinnen- und Heldinnen der Antike zu verwandeln schienen: sei es im Rahmen höfischer Inszenierung oder im Staatsporträt. Welche Strategien lagen diesem Phänomen zugrunde? Wie wurden politische Inhalte und Antikenbezüge verknüpft? Handelte es sich um eine Bewegung weiblicher Selbstermächtigung? Und wie viel Antike steckt wirklich im höfischen Klassizismus? Gerahmt von zwei Porträtgemälden der Zarin Maria Fjodorowna von Russland in der Porträtsammlung Schloss Eutins betrachtet der Vortrag beispielhafte Bildnisse aus Italien, Frankreich, England und Deutschland zwischen 1780 und 1820.
Die Veranstaltung ist Partner von Science Comes to Town.