(D 1998, 98 Min., Langzeitdokumentation von Fredo Wulf und Quinka Stoehr)
Die gegenwärtigen Wahlen im Osten Deutschlands zeigen eine erschreckende Hinwendung zu einer Partei, die eine identitätsstiftende „Ostalgie“ für sich proklamiert. Wie konnte es zu einer solchen Geschichtsvergessenheit kommen?
Die Langzeitdokumentation „Ein anderes Land“ erhält auf diesem Hintergrund eine aktuelle Bedeutung. In sieben Wende-Geschichten werden Menschen aus Strasburg (Uckermark) von der Währungsunion 1990 bis 1996 begleitet.
Wie sich die Protagonist*innen den Veränderungen einer neuen Gesellschaftsordnung stellen, was aus den Wünschen und Vorstellungen wird, wirft im Fortgang der Ereignisse immer stärker die Frage nach gesellschaftlicher Identität auf. Wie wird das Neue aufgenommen, was bleibt von dem Davor?
Warum dieser Prozess des sich Zurechtfindens für einige schwerer zu bewältigen ist, während andere erleichtert und befreit ihren Weg gehen, davon erzählt dieser Film.
Sommer 1990, Währungsunion: Mogens Brattig, ein in den Osten entsandter westdeutscher Sparkassenberater, und Carola Küchle, eine örtliche Bankangestellte, lernen sich kennen. Siegfried Kroh, der ehemalige Leiter der Verkehrspolizei, träumt von einem eigenen Autohaus und der 12-jährige Christhard „Chrissie“ Riedel sammelt Fahnen und Pionierwimpel, die er als Pastorensohn nicht besitzen durfte.
Diese und andere Geschichten beginnen zu Zeiten der Währungsunion und werden bis 1996 von den Protagonist*innen forterzählt. Und da passiert einiges: Siegfried Kroh hat tatsächlich ein neues Autohaus gebaut. Aus dem Arbeitsverhältnis in der Sparkasse ist ein ost-west-deutsches Liebespaar geworden und der nachdenkliche Chrissie wohnt inzwischen in einer Bauwagensiedlung. Alles ist ganz anders geworden.